Rike Drust, Nele Palmtag (Illus.): Hört mal! Brülle-Post-Leporello

Eine Empfehlung von Susanne Straßer

Rike Drust, Nele Palmtag (Illus.)
Hört mal! Brülle-Post-Leporello

Kunstanstifter, Mannheim 2025, 16 Seiten, 20 Euro

»Ihr könnt euch mal gehackt legen!« Wie bitte? »Er will sich nackt ins Gras legen?« Hä? »Er würde jetzt nicht aufgeben!« Ja, was denn nun? Was brüllt er wirklich, der bärtige Mann im karierten Hemd, der seinen Einkaufswagen durch Nele Palmtags und Rike Drusts Hört mal! schiebt. Das als Loop konzipierte Leporello entfaltet auf über einem Meter Länge eine mit Bleistift gezeichnete und mit Tusche kolorierte Straßenszenerie und gewährt so einen Blick in ein Viertel und seine Menschen. Die Friseurin, die Jogger, zwei Polizisten … Alle beziehen den Ausruf des Mannes auf sich, hören aber ähnlich wie in »Stille Post« etwas vollkommen anderes. So wird der anfangs ziellos hinausposaunte Satz zu einem lustig-absurden Lyrik-Verhörspiel, in das man sogleich einstimmen und die Kette von »Verhörern« weiterspinnen möchte. Ganz beiläufig lernt man hier, wie Reimen funktioniert, wie spielerisch Sprache sein kann, aber auch wie mächtig, wenn Missverständnisse ihre Wirkung zeigen, positiv wie negativ. So stecken in dem Buch unzählige Geschichten und Gesprächsanlässe. Große Kunst im ungewöhnlichen Format. (ab 3 J.)

Kunstanstifter

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