Eine Empfehlung von Ronya Othmann
Dunkles Siegel / Mohra Reş
Kurmancî – Deutsch. Übersetzt von İsabella Bêrîvan und Mario Pschera. Nachdichtung von Tobias Roth. Dağyeli, Berlin 2025, 96 Seiten, 20 Euro
»Ach, dieser Wind! War dieser Wind wie der Wind meiner Jahreszeiten? / Kalender, / Kompass, / Straßen, auf denen ich mich kreuz und quer verlor: / Ist Norden noch Norden, ist Süden noch Süden?« Yıldız Çakars Gedichte eröffnen einen Raum, in dem vieles zur Sprache kommt: Liebe, Schmerz, Fremdheit, kurdische und jesidische Mythologie und Geschichte, die Erfahrung des Exils – in einer genuin weiblichen Form. Çakar schreibt schon seit einigen Jahren in Berlin, viele ihrer Gedichte sind mit der Ortsangabe »Berlîn« (in kurdischer Schreibweise) versehen: Ein kurdisches Berlîn, denkt man beim Lesen, eine Stadt des Exils, ein dritter Raum. Wie gut, dass es Yıldız Çakars wunderschöne Gedichte – dank der Interlinear-Übersetzung von İsabella Bêrîvan und Mario Pschera und der Nachdichtung von Tobias Roth – nun endlich auch auf Deutsch zu lesen gibt.
