Renate Schmidgall: Kein Verlass auf Uhren und Gestirne

Eine Empfehlung von Rüdiger Görner

Renate Schmidgall
Kein Verlass auf Uhren und Gestirne

Mit einer Nachbemerkung von Michael Krüger. Secession, Berlin 2025, 143 Seiten, 18 Euro

Die Gedichte einer versierten Übersetzerin polnischer Lyrik arbeiten selbst versiert mit Anspielungen auf Alltägliches. Sie überzeugen durch ihre diskreten poetischen Momentaufnahmen, die jedoch von Dauerhaftem wissen. Aus Herbstzeitlosen wird dabei die Zeile »Der Herbst ist zeitlos«. Auf Hölderlins »Hälfte des Lebens« spielt das Verspaar an: »woher nehme ich jetzt / das Rascheln des Lichts?« Mit diesem Vers schließt das Gedicht »Elegie auf eine Erle«, wie überhaupt Naturphänomene diese Gedichte prägen – das auch im übertragenen Sinn, etwa wenn vom »Erwachen« die Rede ist, die »verworrenen Träume« noch nah sind und »draußen Schnee schräger fällt«. In solchen Augenblicken registriert das Ich das Unvermutete: »Die erkaltete Lava in mir.« Diese Gedichte überzeugen aufgrund ihrer evokativen Diskretheit. Manche von ihnen gleichen einem Hauch aus Wörtern, der eingeatmet sein will.

Secession

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