Eine Empfehlung von Sam Zamrik
Da war Licht oder etwas Ähnliches wie Licht / Había luz o algo parecido a la luz
Deutsch und Spanisch. Übersetzt von Silke Kleemann. Mit Fotografien von Rodrigo Marín. Hagebutte, München 2025, 76 Seiten, 15 Euro
»Ein lyrisches Netz aus 24 Fragmenten«: Der Band von María José Ferrada ist von crescendo-artiger Sprach-Ökonomie und wirkt dadurch auf eine Weise, die größer ist als die Summe seiner Teile. In den Fragmenten öffnet Ferrada ein Fenster zu einer noch bezauberten Welt, die in den kleinsten Teilen der Natur abgebildet ist und sich mit jedem weiteren Fragment entwickelt: »Die Sequenz besteht aus / Zuckerstückchen.« Die Mythologie des Buches ist nicht nur eine menschliche, sondern positioniert das menschliche »Wir« inmitten einer lebendigen Welt, in der alles seine eigene geheime Sprache und einen eigenen Willen hat, die es zu entdecken gilt. Obwohl Ferradas Verse sanft und sparsam sind, sind sie nicht romantisch. Sie sind vielmehr durchzogen von einer kindlichen Verwunderung über die Sanftheit und Rauheit dieser Welt. Die Bilder von Rodrigo Marín zeigen deren Komplexität und Feinheiten: »setzen diese Figuren / eine zarte Farbe frei / eine letzte Liebe.«
