Eine Empfehlung von Ronya Othmann
mörderballaden
Suhrkamp, Berlin 2025, 60 Seiten, 20 Euro
Wenn Juliane Lieberts Gedichtband mörderballaden ein Musikalbum wäre, würde man sagen, da sind ganz schöne Banger dabei. Da sind Lines darunter, die man so schnell nicht wieder vergisst (»wir schlugen meine oma tot / das war, weil sie uns störte« oder »es ist immer ratsam einen schaukelstuhl / mit aufs schlachtfeld zu bringen damit man / seinem gegner einen platz anbieten kann«) und Gedichte, die ganz tief treffen, bis unter die Haut (»die ballade vom ungeborenen leben (you won fifty free games)« oder »ballade für meine toten lieben«). Es geht ums Töten, ums Morden, wie der Titel schon sagt, und wird ganz schön makaber bisweilen, dann wieder absurd, sarkastisch, komisch, traurig, ernst, aber immer auch moralisch. Der Vergleich mit einem Musikalbum liegt auch deshalb gar nicht so fern, kommt die Ballade doch aus der Musik, und es gibt sogar Noten in dem Band, zum Beispiel »das amazon prime day lied / (mit vollen backen zu singen: bis man erstickt)« oder »essen töten shoppen«.
