Martina Hefter: In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen

Eine Empfehlung von Marion Poschmann

Martina Hefter
In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen

kookbooks, Berlin 2021, 96 Seiten, 19,90 Euro

Das Holz, der Wald, die Wirklichkeit: Es handelt sich bei diesen Gedichten um lyrische Essays, die nach der Möglichkeit moralischen Verhaltens im ungezügelten Kapitalismus fragen. Können Konsum und Naturzerstörung noch einmal ins Gleichgewicht gebracht werden, und was ließe sich überhaupt als Einzelperson dazu beitragen? Der Weg des Holzes vom Keimling zum Möbelstück, der Verzicht auf Nahrung als philosophisch-spirituelle Askese, die Vernetzung von Menschen und Pflanzen durch Verbrauch und Verzehr, aber auch durch eine geheimnisvolle innere Verwandtschaft – für komplexe Zusammenhänge findet Martina Hefter starke Bilder, die uns auch vor Augen führen, was Poesie vermag: In einer unangepassten Sprache Reste von Wildnis bewahren. In einer genauen Selbstbefragung Widerstandskraft entwickeln. Und in lautlich, rhythmisch, prosodisch wunderbar austarierten Versen noch einmal anklingen lassen, was das sein könnte: das Schöne, Wahre und Gute.

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