Karin Fellner: eins: zum andern

Eine Empfehlung von Christian Metz

Karin Fellner
eins: zum andern

parasitenpresse, Köln 2019, 67 Seiten, 10 Euro.

eins: zum andern nimmt vom Titel an den Rhythmus des binären Codes an. Aber was im Digitalen jenseits der Eins null und nichtig ist, wird bei Karin Fellner versiert und gewitzt zur vielfältigen Welt des Anderen ausgearbeitet. Der 1970 in München geborenen Lyrikerin ist mit ihrem fünften Gedichtband ein großer Wurf gelungen. Alle sechs Zyklen bestechen gleichermaßen durch ihre poetische Qualität. Gekonnt arbeitet Fellner mit Techniken der Verschränkung und Überlagerung und tastet sich so vor bis zum Unerforschten, Ungesagten, Unbekannten: »magst du auf machen, dich oder mich, und wohin, fragst du vielleicht, / gibt es Schlüssel, er- oder entschließt sich Sinn, umzugehen, womit?« Einzelne Sätze, Satzglieder, Wörter oder Wortpartikel schieben sich auf minimalem Raum ineinander. Lektüre bedeutet, die einzelnen Elemente auseinander zuschieben und zu entfalten. Das setzt sich bis zu einzelnen Silben fort. Auf diese Weise sagen Fellners Verse »eins und ’s andere zugleich: ›Du bist mein Ko.‹ / (ergänze : -sen, -libri, -bold.)« Ko-misch ist dieser Band zu allem anderen auch noch.

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